Slow Fashion – Klasse statt Masse!

Warum lieben Frauen Handtaschen? Handtaschen sind slow! Die Handtasche ist wie ein Anker im sich immer rasanter drehenden Modekarussell. Eine hochwertige Ledertasche ist kein Wegwerf-Modeartikel, sondern manchmal sogar eine Investition fürs Leben. Teure Designertaschen werden vererbt wie wertvoller Familieschmuck. Sie verlieren nicht an Wert, im Gegenteil. Sie überstehen über Generationen hinweg jeden Modetrend.

hermestascheKaum ein anderes Modeaccessoire oder Kleidungsstück kann hier mithalten. Viele unserer Kleider tragen wir nur ein oder zwei Saisons. Dann werden Sie ausgemustert oder fristen ein trostloses Dasein als Schrankleiche, weil sie modisch nicht mehr up to date sind.

Auch teure Designerkleider bleiben von diesem Schicksal nicht verschont, im Gegenteil. Je auffälliger das Kleidungsstück, desto kürzere Zeit wird es getragen. Schließlich weiß jeder, der sich in den entsprechenden Kreisen bewegt, dass das Designerteil aus der Vorjahreskollektion ist. Und welche Millionärsgattin, Schauspielerin oder Royal möchte sich schon nachsagen lassen, out of Fashion zu sein?

(Foto rechts: Die derzeit teuerste Handtasche der Welt: Die „Diamond Birkin“ von Hermès in Fuchsia wurde in Hongkong für 205.000 Euro versteigert).

Macht „Wegwerf-Mode“ Sinn?

Heutzutage kann man wirklich für wenig Geld moderne, ansprechende Kleidung kaufen. Wenn ein Kleid oder eine Hose 29,90 Euro kosten, dann darf man natürlich in Punkto Qualität und Langlebigkeit nicht viel erwarten. Diese preiswerten Kleidungsstücke sind aber auch gar nicht dafür gedacht, ewig zu halten. Schließlich möchten die Hersteller, dass wir immer wieder neue Kleidung kaufen! Das Modekarussell rollt, die Kasse der Bekleidungsindustrie klingelt. Aber was ist mit der Umwelt und mit den Menschen, die in Drittländern für einen Hungerlohn schuften müssen, damit wir billige Klamotten kaufen können?

ferrari

Ich habe mal überschlagen, wieviel Geld ich etwa in den letzten 30 Jahren für Kleidung, die ich mittlerweile nicht mehr besitze, ausgegeben habe. Da kommt ganz schön was zusammen. Eine Eigentumswohnung oder ein Ferrari wären davon locker bezahlt.

 

Je älter ich werde, um so weniger habe ich das Bedürfnis, jeden Modetrend mitzumachen. Nicht, dass mir Culottes, Bomberjacken & Co. nicht gefallen würden! Meistens bin ich sogar recht schnell von neuen Trends zu begeistern. Aber mir ist  klar, dass man die heute angesagten Kleidungsstücke im nächsten Jahr vielleicht gar nicht mehr tragen kann. Deshalb verkneife ich mir den Kauf und die Teile bleiben, was mich anbelangt,  im Geschäft hängen. Ich kaufe natürlich trotzdem immer noch gerne und wahrscheinlich viel zu viel! Meistens dann aber klassische Kleidungsstücke, die ich über Jahre hinweg tragen kann.

Da mittlerweile viele Frauen (zumindest die etwas älteren) ähnlich ticken, hat in den letzten zwei, drei Jahren beim Modekauf offensichtlich ein Umdenken stattgefunden. Ein neuer Trend oder besser gesagt, eine neue Bewegung, ist dabei, sich zu etablieren: Die sogenannte „Slow Fashion“.

Was versteht man unter Slow Fashion?

Schlägt man im Duden nach, findet man keinen Eintrag unter „Slow Fashion“ und auch im deutschsprachigen Wikipedia wurde darüber noch kein Artikel verfasst. Die Bezeichnung ist also noch recht neu. Gibt man Slow Fashion als Suchwort bei Google ein, erhält man bereits unzählige Einträge angezeigt.

Slow Fashion steht für nachhaltige, langlebige Kleidung. Der Stoff und die Verarbeitung sind hochwertig, das Design zurückhaltend, die Schnitte klassisch und schlicht. Dadurch können diese Kleidungsstücke unabhängig von dem jeweiligen, aktuellen Modetrend über Jahre hinweg getragen werden.

Warum man über Slow Fashion nachdenken sollte:

Der Produktionsprozess, die oftmals schädlichen Chemikalien in unserer Kleidung und die langen Transportwege vom Hersteller bis zu uns nach Hause belasten die Umwelt ungemein. Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern sind die Folge davon, dass wir hier in Europa billige Kleidung kaufen können.

Die Slow Fashion-Bewegung spricht hauptsächlich ältere Konsumenten an. Meine Teenager-Tochter davon zu überzeugen, nicht mehr bei den Billig-Modeketten zu shoppen, ist genauso aussichtslos wie sie zu motivieren, in den Sommerferien Mathe zu pauken.

Slow Fashion passt natürlich nicht in das Konzept konventioneller Modehersteller.  Deshalb haben sich vor allem Hersteller von Öko-Mode der Slow Fashion verschrieben.

Slow Fashion passt perfekt zu ökologisch, nachhaltig und fair produzierter Bekleidung. Leider hat Ökomode das Image, langweilig, bieder und alternativ zu sein. „Schick und modern“ gehört nicht unbedingt  zu den Attributen der Ökomode.

Einer der bekannten, deutschen Öko-Mode-Hersteller, die Firma Hessnatur, hat seit kurzem einen großen Imagewandel durchgemacht. Die in der Tat angestaubte, langweilige Ökokleidung wurde durch hochwertige, anspruchsvolle Designermode ergänzt.

Stylischer Mantel von Hessnatur

Auch die Ökofirma Waschbär hat mit „Enna Style“ eine neue Slow-Fashion-Öko-Linie lanciert. Mir persönlich ist die Kleidung von Enna Style leider noch etwas zu langweilig und zu „old fashioned“.  Aber wer es gerne sportlich und konservativ mag, wird hier bestimmt fündig.

Hier eine kleine Auswahl von Onlineshops, die moderne Ökomode anbieten, und bei denen ich gerne rumstöbere!

Armedangels     Glore    Hessnatur
Greenality    Avocadostore

Auf Brigtte.de findest Du einen lesenswerten Beitrag zum Thema sowie über 30 Onlineshops, die schicke Öko-Fashion anbieten.

Meiner Meinung nach ist es derzeit noch nicht möglich, komplett auf  Ökomode umzusteigen. Das Sortiment ist noch recht begrenzt. Beispielsweise habe ich bislang keine Ökomarke gefunden, die Cocktail- oder Abendkleider anbietet. Außerdem ist es eine Kostenfrage, ob man sich Ökomode leisten kann oder will. Hochwertige, fair produzierte Kleidung hat nun mal seinen Preis. Aber im SALE kann man beruhigt zuschlagen, denn man muss nicht befürchten, dass das Schnäppchen im nächsten Jahr nicht mehr tragbar ist.

Foto: Mantel aus Mohair mit Schurwolle, hessnatur, EUR 349,–.

Ich persönlich werde auf jeden Fall einige Basics, die ich diesen Herbst/Winter ersetzen muss, in Bioqualität kaufen. Nicht nur, weil es gut für die Umwelt ist, sondern weil ich zukünftig darauf achten werde, dass die Kleidung die ich trage, unter fairen Bedingungen produziert wurde. Aber das ist ein anderes, sehr wichtiges Thema. Ich werde demnächst hier auf diesem Blog darüber schreiben.

Und das sind meine Favoriten:

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Links zu obigen Artikeln: Pullover/Kleid.

Den Slow Fashion-Trend kann man auch mitmachen, wenn man kein Fan von Öko-Kleidung ist! Einfach indem man bewußter einkauft und auf gute Qualität und Langlebigkeit achtet, Klasse statt Masse. Die Kleidung, die man bereits im Schrank hat kann man durch moderne, pfiffige Accessoires aufpeppen! Manchmal lohnt sich auch der Gang zur Schneiderin, um ältere, gut erhaltene Kleidungsstücke umzuarbeiten und zu „modernisieren“.

Jetzt interessiert mich natürlich sehr, wie Du zur Slow Fashion-Bewegung stehst! Kaufst Du lieber konventionelle Kleidung oder bist du auch ein Fan von Ökomode?

Herzliche Grüße

Birgit

Outfitfotos mit freundlicher Genehmigung der Firma hessnatur.
Beitragsfoto: Gisela Peter  / pixelio.de

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8 Kommentare

  1. Liebe Birgit,
    ich kaufe auch bei weitem nicht mehr so viel wie früher, und kann ganz gut damit leben. Für einen Mantel oder für Schuhe gebe ich mehr aus als früher, trage sie aber auch viele Jahre. Mit Ökomode hatte ich bisher nicht viel am Hut aber die Kleider von Hessnatur finde ich sehr schön.
    Grüße von Meike

  2. Hallo,
    ich habe bisher auch keine Ökomode gekauft. Ich fand die Sachen immer ziemlich trullig. Aber das scheint sich jetzt ja zu ändern.
    Schön, dass du auf meinem Blog warst.
    viele Grüße nach Bamberg
    Birgit

  3. Ich mag Gudrun Sjöden gern: ist bunt und anders, hat große Größen.
    Lässt sich dossiert einsetzen, dann ist auch nicht „trullig“. Überhaupt, Mode ist schön, aber praktisch und angenehm sind mir mehr wert. Und immer mehr auch das Thema Nachhaltigkeit …
    Übrigens haben bis auf Avocado Store die meisten genannten Labels keine großen Größen, Hess z.B. geht nur bis Größe 46.

  4. Hallo Katharina,
    freut mich sehr, dass Du auch auf Nachhaltigkeit Wert legst. Mir geht es ähnlich wie Dir. Ich mag tolles Styling und moderne Klamotten. Aber praktisch und bequem muss es trotzdem sein. Das mit den großen Größen habe ich nicht gewußt. Das ist schade, und ich hoffe, dass sich das bald ändert.
    Herzliche Grüße
    Birgit

  5. Ein sehr guter Artikel! Wenn ich heute durch die Saarbrücker Innenstadt laufe, sehe ich sehr viele Primark Tüten. Warum sollten die Menschen, nur um öklologisch zu sein, das 5 fache für Mode bezahlen? Es gibt immer mehr Leute (besonders Frauen), die heutzutage kein Hobby mehr haben, außer sich mit Freunden treffen und shoppen zu gehen.Allerdings haben sie oft nicht mehr das Geld, ,,hochwertige“ Stücke zu erstehen, weil es ihnen eben nicht langt, nur 1-2 zu kaufen, da sie dieses schöne Gefühl von etwas Neuem öfter haben wollen! Und das bei einem Monatseinkommen von 1200 Euro oder weniger, das für Miete, Versicherungen, Nahrung etc.ausreichen muß! Und es ist heute eben nicht mehr so, dass teure Stücke 5 fach solange halten! Teure Sachen aus hochwertigen Materialien bedürfen sogar auch oft einer besonderen Pflege! Der Satz ,,Ich bin zu arm, um billig zu kaufen!“ stimmt eben nur bedingt! Wen wundert es also, dass Kleiderkammern überquellen? Ich wurde einmal sogar weggeschickt, als ich Sachen hinbringen wollte… Auch Flüchtlinge haben z.B. in saarländischen Lagern vor einem Jahr lieber bei Zalando bestellt! Auf der anderen Seite habe ich festgestellt. gerade bei den hochwertigen Labels, dass es Trends gibt, die ungelogen seit nunmehr mindestens 10 Jahren ,,In“ sind. Marine Look mit Ringel-Shirts oder Militarystyle mit olivgrünen Teilen, Blumenmuster (z.B. Mille fleur -Stoffe), Boho- und Hippie-Style… dazu ein bis zwei Trendteile der Saison der kurzlebigen Mode (z.B. Trompetenärmeln) und Bundeskanzler Schmidt Mütze, schon ist man ,,trendy“. Insofern halten diese Stücke zumindest bei mir auch teilweise seit 10 Jahren. Auch, wenn man zwar regelmäßig mistet, aber es auch dabei nicht übertreibt, verhindert dies oft das Gefühl, nachkaufen zu müssen. Am aller sinnvollsten wären 2 Jeans, 2 gute Hosen, 2 Shorts, 2 Kleider (Sommer/Winter) 5 TShirts, 5 Pullis, 4 weiße Blusen (2kurz/2lang), einen (nicht zu engen) Blazer, 1 Strickjacke, 1 Mantel und 1 Anorak,2 Schals, 2 Tücher, 1 warme Mütze – fertig für alle Gelegenheiten… Wenn ein Teil unansehnlich ist, nachkaufen! Aber so einfach ist es leider nicht… alles Liebe, Nessy

  6. Liebe Nessy,
    vielen Dank, dass Su uns an deinen Gedanken zum Thema teilhaben läßt. Das wir Frauen, ob „arm“ oder reich, zu viel Kleidung kaufen ist sicher wahr!
    Mit den von dir aufgezählten Kleidungsstücken würde man sicher gut über die Runden kommen. Theoretisch… Aber Shoppen macht halt doch auch Spaß und ruck zuck ist der Kleiderschrank wieder voll. Zur Zeit habe ich mir eine Kleiderkauf-Sperre verordnet! Ich will bis zum Februar versuchen, mit dem auszukommen, was ich habe. Das eingesparte Shoppinggeld lege ich zur Seite. Und dann leiste ich mir ein Teil, das ich mir schon immer gewünscht habe: Einen Dufflecoat von Burberry! Statt 10 neue Pulli gibt’s dann nur ein Teil, das ich aber sicher ganz viele Jahre tragen werde!
    Liebe Grüße
    Birgit

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