Kleiner Outfit-Post und die leidige Sache mit der Werbung

Zwischen Tür und Angel ist mein heutiges Outfit-Post fotografiert worden. Meine Tochter war in Eile und sichtlich genervt von meinem Wunsch, Fotos von mir zu machen. Also waren die Bilder in weniger als einer Minute im Kasten.

OK, dachte ich mir, dann fällt mein OOTD-Beitrag halt ein bisschen kürzer aus, macht ja nix. Zeigen wollte ich auf den Fotos mein neues SALE-Schnäppchen, über das ich mich sehr gefreut habe. So weit, so gut.

Kaum hatte ich die Fotos auf den PC geladen, überkam mich eine große Verunsicherung. Darf ich denn überhaupt noch erwähnen, wo ich das Teil gekauft habe? Oder mache ich damit unerlaubte Werbung? Bestimmt hast du die Diskussionen bezüglich der Deklaration von Werbung auf Blogs mitbekommen. Eine der bekanntesten, deutschen Bloggerinnen, Caro Daur, wurde angezeigt, weil sie angeblich Schleichwerbung machte.

Die Sache mit der Werbung ist ein heikles Thema. Noch vor kurzem ging ich davon aus, dass ich nur dann Werbung mache, wenn ich einen Auftraggeber habe, und für den Beitrag eine Entlohnung in Form eines Honorars oder einer Sachleistung erhalte. Dass scheint aber nicht so zu sein, denn allein schon das Erwähnen einer Firma kann als Werbung ausgelegt werden. Die ist dann zwar ohne Bezahlung, aber Werbung sei halt nun mal Werbung.

Leider gibt es dubiose Anwälte, die gezielt nach solchen „Verstößen“ suchen, um mit sogenannten Abmahnungen Geld zu verdienen. Davor sind auch die Mikro-Influenzer, zu denen ich mich zähle, nicht sicher.

Ich frage mich, ob unter solchen Bedingungen das Bloggen überhaupt noch Sinn macht? Welche Informationen können wir Blogger/innen dann überhaupt noch weiter geben? Wo ist der Mehrwert für die Leserin, die auf einem Blogfoto Ihre Traumtasche oder den Mantel, nach dem sie schon lange gesucht hat, entdeckt, und dann keine Info darüber bekommt, wo es die Teile zu kaufen gibt?

Als Bloggerin will ich von meinen Erlebnissen erzählen dürfen. Von tollen Restaurants, die ich entdeckt habe, von wundervollen Hotels, die eine Reise wert sind, oder von Online-Shops, wo man besondere Schnäppchen machen kann. Tja, geht nicht… Außer ich schreibe das Wort „Werbung“ vor den Beitrag. Ich finde, es kommt total blöd rüber, wenn auf einem Blog nur noch (angebliche) Werbebeiträge zu finden sind. Früher wusste die Blogleserin, wenn „Werbung“ vor dem Artikel steht, bekommt die Bloggerin was dafür. Statt Transparenz findet nun eine vollständige Verschleierung statt. Es wird genau das Gegenteil von dem erreicht, was die Verbraucherschützer ursprünglich beabsichtigten. Es ist nun nicht mehr möglich, bezahlte Werbung von redaktionellen Beiträgen zu unterscheiden. Der klassische „Schuß nach hinten“ …

Apropos Verbraucherschutz: Ich finde, wir in Deutschland übertreiben das mittlerweile. Wir sind doch alle aufgeklärte, dank Massenmedien und WWW gut informierte Bürger. Wenn ich eine Werbung sehe, dann liegt es doch an mir, ob ich darauf reflektiere. Ich muss die Schuhe, das Kleid oder die Tasche, für die geworben werden, ja nicht kaufen. Es ist meine Entscheidung, keiner zwingt mich dazu.

Ich persönlich halte Werbung keineswegs für überflüssig oder gar „anrüchig“. Von vielen tollen Produkten hätte ich nie erfahren, gäbe es keine Werbung. Und wie sollte ich aus dem riesigen Angebot genau die Waren herausfiltern, die ich haben möchte? Ohne Werbung wüßte ich nicht, wo ich was zu welchem Preis einkaufen kann. Klar nervt es mich, wenn mein E-Mail-Fach mit Werbeanzeigen überschwemmt wird. Es kostet mich ein paar Klicks, und dann ist die Werbung, die mich nicht interessiert, wieder von der Bildfläche verschwunden. So what?

Ich frage mich, wann es nicht mehr erlaubt sein wird, dass ich meiner Freundin beim Kaffeeklatsch oder der Arbeitskollegin in der Kantine verrate, wo ich meine neuen Stiefel gekauft habe. Ich mache dann ja schließlich Werbung, nicht wahr?

Ein Blog sollte ein Treffpunkt sein, wo wir uns austauschen und miteinander reden, ein bisschen rumgucken, Fragen stellen, uns Anregungen und Ideen holen. So wie bei einem Treffen im Café eben auch…

Also, ich werde jetzt trotz allem erzählen, dass ich die cremefarbene Hose mit blauem Seitenstreifen bei bodendirect.de bestellt habe. Sie war reduziert auf 25 EUR, ursprünglich hat sie 85 EUR gekostet. Die Qualität ist super, die Hose sitzt wie angegossen. Bei meinem heutigen Business-OOTD kombiniere ich die Hose Ton-in-Ton mit einem leichten, marineblauen Pulli (Opus) und flachen Wildleder-Pumps (Betty Barclay). Die Ledertasche ist von ORE10.


Die Hose ist derzeit noch zu haben, auch in dunkelblau mit Seitenstreifen in Pink. Leider nicht mehr in allen Größen. Mein Tipp: Die Hose fällt etwas größer aus. Im Zweifelsfall lieber eine Größe kleiner bestellen.

Nun interessiert es mich natürlich brennend, wie du als Bloggerin oder als Blogleserin die Sache mit der Werbung siehst. Mache ich nun Werbung oder gebe ich nur einen Tipp weiter?

Nur so weit zur Klarstellung: Ich habe keine Kooperation mit Boden, ich bekomme kein Honorar, ich habe die Hose selbst bezahlt und es gibt auch keinen Affiliate-Link.

♥-liche Grüße

Birgit

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8 Kommentare

  1. Hihi Ja Du hättest Werbung drüber schreiben sollen. Ich war grade bei Boden shoppen 🙂
    Du siehst toll aus Birgit, die Hose ist die Schau! Weisst Du mir macht Werbung auch nichts aus, ich entdecke dadurch auch oft tolle Produkte, oder sie bringt mich auch zum Lachen wenn sie gut ist.
    Ich hatte Kopfkino wie Du Deiner Kollegin in der Cantine sagst: Achtung jetzt kommt Werbung“ Ich hab mir eine neue Hose bei Boden gekauft im Sale!“ :))
    Liebe Grüße Tina

  2. Hi Tina,
    Ja, genau. So stelle ich mir die künftigen Gespräche mit meinen Freundinnen auch vor 🙂 🙂
    Oje, sprich bitte nicht laut aus, dass du wegen meinem Post bei Boden warst. Sonst heißt es: siehste, ist doch Werbung… 🙂
    LG
    Birgit

  3. Ich finde das mittlerweile absurd. Der Leser kann gar nicht mehr unterscheiden, ob es sich um bezahlte Werbung handelt oder um selbst gekaufte Sachen. Ich schreibe Werbung und erwähne, dass die Sachen von mir gekauft wurden.

    Die Hose ist klasse. So eine hätte ich gern in Schwarz mit weißen Streifen.

    Liebe Grüße Sabine

  4. Ich halte es mittlerweile einfach so, dass ich alles mit dem Begriff Werbung kennzeichne – dann bin ich auf der sicheren Seite. Auch wenn ich meine Looks in 90 Prozent der Fälle komplett selbst gekauft hab‘.

    Ein bisschen nervig, aber man gewöhnt sich daran 🙂

    Ganz liebe Grüße aus der EDELFABRIK Chrissie

  5. Liebe Krissi,
    herzlichen Dank für deinen Kommentar. Damit bist du rechtlich auf der sicheren Seite. Die Leserinnen können dann aber tatsächlich nicht mehr unterscheiden, ob es ein bezahlter oder redaktioneller Post ist. Aber vielleicht ist das ja gar nicht so wichtig? Ich werde es zukünftig auch so handhaben, um kein Risiko einzugehen.
    Herzliche Grüße
    Birgit

  6. Liebe Sabine,
    so wie du es handhabst ist das eine gute Lösung. Du gehst kein Risiko ein, und deine Leserinnen wissen trotzdem, ob es bezahlte Werbung ist oder nicht. Nervig ist es trotzdem…
    Freut mich, dass dir die Hose gefällt.
    Herzliche Grüße
    Birgit

  7. Ach, wir sollten uns schon informieren, aber nicht verrückt machen lassen! Schleichwerbung ist es doch nur, wenn es im Beitrag so rüberkommt, dass Du das Produkt (in dem Fall die Hose, die Dir übrigens super steht!) explizit hervorhebst. Wenn ich nur erwähne dass und wo ich die Sachen gekauft habe, ist es für mich keine Werbung. Deshalb handhabe ich alles wie bisher. Das Outfit steht Dir toll, ich glaub, ich schau auch mal gleich zu Boden rüber – oh-oh. Wahrscheinlich ist mir jetzt die Werbe-Polizei auf den Fersen… 😉 LG Maren

  8. Liebe Maren,
    dafür sind Blogs ja da, um andere zu inspirieren. Und ob du dann bei Boden was bestellst oder nicht das entscheidest doch sowieso nur du allein.
    Herzliche Grüße
    Birgit

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