Blogparade: Erbstücke als Erinnerungsstücke

Erbstücke als Erinnerungsstücke. Kein leichtes Thema für eine Blogparade. Zumindest dann, wenn man wie ich, so gut wie keine Erbstücke besitzt.

Ein paar Bilder und eine alte Nähmaschine sind das Vermächtnisse meiner Familie väterlicherseits. Von meiner Großmutter mütterlicherseits habe ich ein Medaillon und zwei Ringe geerbt. Nichts, womit man einen ganzen Beitrag füllen könnte.

Normalerweise knüpfen sich an Erbstücke Geschichten und Familiengeheimnisse. Über diese drei Schmuckstücke weiß ich leider gar nichts. Die Geschichten dazu hat meine Großmutter mit ins Grab genommen. Wo hat sie die Ringe her? Waren sie ein Geschenk oder hat sie sie geerbt? Ich werde es nie erfahren.

Nur diese zwei Ringe und das Medaillon auf dem Foto unten konnte meine Großmutter über den zweiten Weltkrieg hinaus retten.
Im Medaillon befinden sich zwei vergilbte schwarz/weiß-Fotos von meiner Oma und meiner Mutter als Kind.

Mangels Erbstücke erlaube ich mir deshalb eine freie Interpretation des Themas. Nachdem dies hier auch ein Modeblog ist, mache ich jetzt einen Schwenker zu den beiden Vintage-Kleidern, die mir meine Mutter schon zu Lebzeiten geschenkt hat.

Die beiden wunderschönen Cocktailkleider hat meine Mutter als junge Frau getragen. Und dazu kann ich wenigstens auch eine Geschichte erzählen.

Die Familie meiner Mutter mußte im Krieg aus Ratibor, ihrer schlesischen Heimat, fliehen. Von Ratibor, damals eine blühende Stadt mit ca. zirka 50.000 Einwohnern, verschlug es sie in ein kleines, unterfränkisches Dorf. Meine Mutter war damals ca. 8 Jahre alt. Das Dörfchen war klein, es gab nur eine Handvoll Geschäfte, eine Dorfschule und ein Gasthaus. Und natürlich mehrere Bauernhöfe. Die „feinen Damen aus der Stadt“ hatten es dort nicht immer einfach…

Herangewachsen als junge Frau, arbeitete meine Mutter als Sekretärin in der nahegelegenen Fabrik. Das war etwas ganz besonderes, denn die anderen Mädchen mussten auf den Bauernhöfen ihrer Familien, in der Dorfbäckerei oder im Gemischtwarenladen mit anpacken. Mutter war sehr eitel, und verlies jeden Morgen schick gestylt und nach der neuesten Mode gekleidet das Haus.

Wurde am Monatsende das Gehalt ausgezahlt, fuhr meine Mutter mit einer Arbeitskollegin in die Stadt, Bamberg (ich verlinke hier auf Gunda, die einen tollen Reisebericht über diese schöne Stadt verfaßt hat) zum Einkaufen. Im Bamberg angekommen wurde erst einmal gemütlich in einem Café gefrühstückt. Danach ging die Shoppingtour los: Erste Station war das Schneideratelier. Damals wurden Kleider, Kostüme oder Mäntel noch maßgefertigt, zumindest dann, wenn man es sich leisten konnte. Nachdem die jungen Frauen sich einen Stoff ausgesucht hatten und die Anprobe erledigt war, ging es weiter ins Schuhgeschäft. Dort wurden die passenden Schuhe zum neuen Kleid gekauft. Und zwar ausschließlich von Peter Kaiser! Die gab es damals schon. Und weiter ging es zum Hutmacher, der auch die passenden Handschuhe im Angebot hatte. Tja, und dann war das Gehalt fast schon wieder ausgegeben…

Maßgeschneidertes Cocktailkleid aus den frühen 50er Jahren.

Ein paar mal im Jahr fanden im Dorf Tanzveranstaltungen. Der Faschingsball, Tanz in den Mai oder der Winterball. Das Kleid oben auf dem Foto hat sich meine Mutter für einen dieser Dorfbälle anfertigen lassen. Wie Mutter erzählte, verstummten alle Gespräche, als sie mit diesem Kleid den Saal betrat. Sie war ein sehr hübsches, attraktives Mädchen und zog mit dem schicken Kleid sowohl Neid, als auch Bewunderung auf sich…

Herrliche Stickereien aus hellblauem, weißem und silbernem Garn. Ich nenne es das „Eisvögel-Kleid“.

Das Kleid kann ich euch leider nicht angezogen präsentieren, da es in etwa Kleidergröße 34 entspricht. Mit 12 Jahren hat es mir gerade noch so gepasst…

Das Cocktailkleid auf dem Foto unten war auch eine Maßanfertigung. Es ist aus schwarzer Spitze, mit einem Unterkleid aus Seide. Das Schößchen, das dazu gehört, kann alternativ als Cape getragen werden. Leider nicht von mir, wegen besagter Kleidergröße.

Ich finde es sehr schade, dass mir die Kleider nicht passen. Trotzdem werde ich sie nicht weg geben, obwohl die Kleider als Vintage-Stücke aus den 50er Jahren sicherlich einen guten Preis erzielen würden. Ich werde sie als Erinnerungsstücke in Ehren halten.

Meine Mutter hatte viele schöne Kleider aus Ihrer Jugendzeit aufgehoben. Leider habe ich als Kind einige davon ruiniert, als ich sie als Faschingskostüme umfunktionierte oder Bettdecken und Kleider für meine Barbiepuppen daraus bastelte. Andere Kleidung, vor allem aus den 60er und 70er Jahren, hat meine Mutter irgendwann selbst entsorgt. Ich erinnere mich noch sehr gut an die orangefarbenen Plateau-Sandalen, bunte Blusen mit grafischen Mustern und süßen Minikleidern á la Twiggi.

So, das war mein zwangsweise kurzer Streifzug durch die Welt meiner Erb- und Erinnerungstücke. Ich bin gespannt, was meine Bloggerkolleginnen zum Thema zu erzählen haben. Du auch? Dann klicke einfach unten auf die Linkup-Fotos.


Herzliche Grüße

Birgit

P.S. Seit kurzem bin ich auch auf Instagram zu finden. Komm doch mal vorbei, und follow me ♥…

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29 Kommentare

  1. Hallo, sehr schöne Erinnerungsstücke und danke am Teilhaben eurer Familiengeschichte. Wirklich sehr schön Kleider, besonders das helle mit der Stickerei. Kann mir gut vorstellen wie toll deine Mutter in dem Kleid ausgesehen hat.
    Liebe Grüße Bo

  2. Sehr schöne Geschichte! Es ist wirklich schade, dass dir die Kleider nicht mehr passen!Sehr schöne und feminine Kleider.
    Ich bin davon überzeugt, das Kleid hat allgemeine Bewunderung und Erstaunen erregt – würdest du damit auch!
    Liebe Grüße,
    Claudia

  3. Liebe Claudia,
    leider ist die Größe 34 für mich unerreichbar (hab auch gar keine Ambitionen…). Also müssen die guten Stücke leider weiterhin im Schrank bewunddert werden.
    LG
    Birgit

  4. Hallo Birgit, wunder wunderschön! Die Kleider, die Geschichte und der Schmuck das sind tolle Erb- bzw. Erinnerungsstücke! Ich könnte die Kleider auch nicht weggeben und wenn man als Kind gewusste hätte was man mit diesen exklusiven Kleidern anstellt, dann hätte man sicherlich die Schere davon gelassen.

    Herzlichen Dank für Deinen Beitrag.
    Liebe Grüße Patricia

  5. Liebe Patricia,
    da hast du vollkommen Recht. Ich bereue es mittlerweile sehr, dass ich als Kind die Kleider meiner Mutter zerschnippselt habe. Aber damals hatte ich natürlich keinen Sinn dafür. Da war es wichtiger, dass die Barbies nicht frieren 🙂
    Herzliche Grüße
    Birgit

  6. Was für tolle Kleider! Irgendwie hatte das damals bestimmt was, sich die Sachen maßschneidern zu lassen… wenigstens hatte man damals nicht das leidige Problem, ein Teil nach dem anderen anzuprobieren… und nichts sitzt so richtig! Die Ringe finde ich auch ganz toll.
    Schöne Geschichte!
    Liebe Grüße, Maren

  7. Liebe Maren,
    ich denke, der große Vorteil am Maßschneidern war, das man die Kleidungsstücke dann auch viel mehr geschätzt und geachtet hat. Auch war der Kleiderschrank nicht überfüllt, den das hätte das Budget gesprengt. Damals galt noch: Klasse statt Masse. Das finde ich gut.
    Herzliche Grüße
    Birgit

  8. Liebe Birgit,
    was für eine schöne Geschichte!
    Aufheben würde ich die beiden Kleider auch auf jeden Fall, sie sind ganz toll 🙂
    Das waren noch Zeiten, als die Damen massschneidern liessen …
    Herzliche Grüsse
    Steffi

  9. So schöne Erinnerungsstücke, die würde ich auch auf jeden Fall behalten. Ich habe mir deine Mama beim lesen wirklich vorstellen können, wie sie den Raum betrat und es ruhig wurde, das Kleid ein wunderschön.
    Mich rühren eure Geschichten sehr.
    Meine Großeltern sind in diesem Jahr beide verstorben und wir stehen zur Zeit noch vor einem ganzen Berg Erinnerungen. Die kann man gar nicht alle behalten, aber diese loszulassen ist keine leichte Aufgabe.

    Liebe Grüße,
    Kerstin

  10. Die Kleider sind wunderschön. Vielleicht passen sie ja irgendwann einem Familienmitglied. Meine Schwester und ich haben übrigens als Kinder das Brautkleid meiner Mutter in die schwerenbewaffneten Hände bekommen….
    Liebe Grüße
    Fran

  11. Liebe Kerstin,
    es immer sehr traurig, Abschied von geliebten Personen zu nehmen. Es ist schön, wenn man einige Erinnerungsstücke aufbewahren kann. Aber wichtiger sind die Erinnerung, die man im Herzen trägt und hoffentlich nie vergißt.
    Herzliche grüße
    Birgit

  12. Hallo Steffi,
    stell dir mal vor, wir müßten für ein neues Kleid zur Schneiderin laufen 🙂 Was für ein Aufwand! Mir langt schon ein Einkaufstripp durch die City, das ist Stress genug.
    Liebe Grüße nach Amerika
    Birgit

  13. 🙂 Liebe Birgit,
    das sind aber alles wahre Erinnerungsstücke!
    Allein das Medaillon und die beiden Ringe sind wunderschön. Die Kleider Deiner Mama und die Geschichte dazu, toppen das aber noch mal locker! Auch wenn Dir diese Einzelanfertigungen nicht passen, sind sie wunderschöne Erbstücke, die den Geist einer längst vergangenen Zeit repräsentieren.
    Schönen Abend und liebe Grüße
    Claudia

  14. Hallo,
    ja, das stimmt. Die Kleider erinnern nicht nur an meine Mutter, sondern an die vergangene Epoche. Das muss auf seine Art und Weise eine tolle Zeit gewesen sein.
    LG
    Birgit

  15. Ich musste schmunzeln. Wie damals habe ich das Bild vor Augen, wie ich als 5-jährige die 50-er Jahre Tanzkleider meiner Tante auseinander geschnitten habe. Irgend etwas wollte ich daraus basteln. Verrückt, was?
    Bei den Ringen habe ich auch ein paar schöne pompöse von meiner Mutter geerbt. Als ich so um die 20 war, habe ich die viel getragen, jetzt gar nicht mehr.

    Die Ringe, das Medaillon und die Kleider sind auch heute noch wunderschön. Absolut nachvollziehbar, dass sie von Dir in Ehren gehalten werden.
    Viele Grüße sendet Dir Edna Mo

  16. Liebe Edna,
    bei dir wundert mich das gar nicht! Ich kann mir wunderbar vorstellen, wie Klein Edna voller Tatendrang die Kleider der Tante zerlegt hast. Im Nachinein schade um die Teile. Aber wenn man so eine kreative Nichte hat, muss man halt mit sowas rechnen 🙂
    Herzliche Grüße
    Birgit

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