Jogger – Modisch oder ausschließlich sportlich?

Ob lässig mit passenden Sneakers, oder edel zu schönen High Heels. Jogginghosen oder Jogger gelten lange nicht mehr als reine Sportbekleidung. Die bequemen Hosen aus elastischem Stoff sind mittlerweile fester Bestandteil der Modewelt. Sie werden auf der Straße getragen, in Büros wie auch auf den Laufstegen der Welt. Das wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen.

Die Idee und Anfänge der Jogginghose

Bereits über 100 Jahre geht die Geschichte des Joggers zurück. Genauer gesagt in das Jahr 1920 in Frankreich. Der Franzose Emile Camuset war Gründer der Sportmarke Le Coq Sportif und gleichzeitig das Genie mit der zündenden Idee. Die Überlegung war eine äußerst praktische und Camuset hätte sich deren spätere Auswirkungen nicht träumen lassen.

In den meisten Sportarten trug man zu dieser Zeit kurze Bekleidung wie T-Shirts und Shorts. Vor allem in den Pausen zwischen Wettkämpfen oder Trainings wurde es aus diesem Grund rasch kühl an Armen und Beinen. Camuset suchte in erster Liniefür dieses Problem eine Lösung. Eine simple Art der Bekleidung, um Sportler warmzuhalten. Und soentwickelte er in den 20er-Jahren die erste Jogginghose. Le Coq Sportif näht sie aus dehnbarem Jersey.

Ihr Schnitt war genauso ausgebeult, wie man ihn heute noch kennt. Dieses Konzept erlaubte den Trägern, die Hose schnell an und auszuziehen. Man konnte sie über der kurzen Kleidung tragen. Durch das verwendete Textil blieb ihnen genug Bewegungsfreiheit, um weiterhin laufen oder sich dehnen zu können. Aufgrund dieser Eigenschaften erfreuten sich Jogger sofort großer Beliebtheit. Zu Beginn
ausschließlich bei Athleten. Wenige Jahre nach der Markteinführung hatten sie erstmals Teilnehmer der Olympischen Spielen an. Bei Trainings, in den Pausen und sogar auf den Siegerpodesten zogen sie das öffentliche Auge auf sich. Lange Zeit galten die Hosen als reine Sportbekleidung. Teil der Alltagsmode wurden sie erst später.

Von Trainingskleidung zum Fashion-Statement

„Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Das ist eine der berühmtesten Aussagen des deutschen Modeschöpfers Karl Lagerfeld. Und er könnte nicht falscher liegen. Zumindest die heutige Zeit betrachtet. Ein wichtiger Wendepunkt in Mode und Ausdrucksweise waren die 1980er-Jahre. Darin spielen zwei Aspekte eine ausgesprochen große Rolle für die Jogger. Zum einen waren sie der Blütezeitbeginn der Hip-Hop-Kultur in Amerika. Diese hatte sich zu dem Zeitpunkt seit circa 10 Jahren in New York zu entwickeln begonnen. Und ihr Einfluss auf die Pop-Kultur sowie das alltägliche Leben wurde größer und größer. Ikonische Künstler wie Run DMC trugen bei Konzerten auf der Bühne Ganzkörperjogger. Der lockere Style wurde zu einem der stilistischen Merkmale der Bewegung.

So begannen Fans ihren Idolen nachzueifern und diese zu tragen. In den kommenden Jahrzehnten breitete sich der Style und die Musik von Amerika Richtung Europa aus. Bald trug man Jeans im Joggerstil, nur mehr weit und hängend. Zum anderen gab es in den 80ern ein gesellschaftliches Umdenken. Es wurde modern, gesund zu leben. Und diesen Lebensstil auch visuell nach außen zu tragen.

Sportbekleidung wurde mehr anerkannt und war neben Neon einer der Hauptmerkmale der 80er-Mode. Sogar der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan trug sie. Auf einem legendären Foto ist er an Bord der Air Force One abgebildet. Darauf posiert er in Hemd, Krawatte und einer grauen Jogginghose. Bis heute sind Jogger hoch im Trend geblieben und haben sich stetig weiterentwickelt. Heute stellen große wie kleine Modehäuser solche her und Menschen aller Alters- und Gesellschaftsgruppen tragen sie.

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