[Blogparade] Lieblingsorte – ue30Blogger and friends

Bei der ue30Blogger and friends Blogparade im Juni geht es um Lieblingsorte – egal ob nah oder fern. Die Idee hierzu hatte Ursula von frauenzimmer50plus.

Mein Lieblingsort, von dem ich dir heute erzählen möchte, liegt nur einen kurzen Spaziergang von meinem Zuhause entfernt. Unsere kleine Ortschaft liegt mitten in der Natur, umgeben von Wäldern, Wiesen und Feldern.

Als vor 12 Jahren unser kleiner West Highland White Terrrier namens Chispsi bei uns einzog, hieß es ab sofort: Früh aufstehen und raus mit dem Hund. Eines Tages, beim Gassigehen, entdeckte ich zwischen Pferdekoppeln und Obstwiesen meinen Lieblingsort. Ich habe ihn „den verwunschenen Garten“ genannt.

Rechts hinter den dichten Hecken und Sträuchern liegt der verborgene Garten.
Durch den Heckenbogen gelangt man hinein.

Verborgen hinter einer hohen, dichten Hecke geht man an dem Garten meist achtlos und nichtsahnend vorbei. Durch einen Heckenbogen oder ein kleines, unauffälliges Gartentürchen gelangt man hinein. Wie war ich damals erstaunt, ein verstecktes Gartenparadies mit bunten Blumenbeeten, farbenfrohen Stauden und Rabatten, Farmen und exotischen Bäumen vorzufinden.

Nachdem ich den Garten entdeckt hatte, kam ich öfters hierher. Eine Bank im Schatten eines Obstbaumes lud zum Verweilen ein. Ich genoss die Stille und beobachtete die Bienen und Schmetterlinge, die von Blüte zu Blüte flatterten. Mein Hund streunte fröhlich im Garten umher, die Schnauze schnüffelnd am Boden, das Schwänzchen wedelnd in die Luft gestreckt. Hier, an diesem friedlichen Ort, waren die Alltagssorgen ganz weit weg.

Bis heute weiß ich nicht, wem der Garten gehört. Nur einmal in all den Jahren habe ich aus der Ferne einen älteren Mann darin arbeiten sehen. Es kam mir manchmal so vor, als würden Wichtel und Feen den Garten bewirtschaften.

So gingen die Jahre ins Land, und immer mal wieder besuchte ich mein geheimes Gartenparadies.

Als Chipsi im letzten Herbst starb, endeten damit auch meine morgendlichen Spaziergänge in der Natur. Ohne Hund Laufen zu gehen, kam mir so sinnlos vor. Wer sich schon einmal von seinem vierbeinigen Freund verabschieden musste, weiß, wovon ich rede. Statt morgens im Wald und auf den Wiesen unterwegs zu sein, trank ich gemütlich Kaffee und vertrödelte die Zeit am Handy.

Chipsi gehörte zur Familie und war 12 Jahre bei uns.

Aber ich vermisste meine täglichen Spaziergänge in der Natur! Seit ein paar Wochen stehe ich deshalb wieder früh am Morgen auf und gehe Walken, Joggen oder einfach nur Spazieren. Neulich führte mich mein Weg, eher zufällig, zu meinem verwunschen Garten.

Das Gartentürchen hing schief in den Angeln. Ich schob es vorsichtig zur Seite und trat ein. Was ich sah, lies mir den Atem stocken. Der einst so wundervolle Garten war total verwildert. Unkraut wucherte überall, die Blumenbeete waren vertrocknet, das Obst lag verdorben auf dem Boden. Eines war klar: hier war schon lange niemand mehr gewesen, um sich um den Garten zu kümmern. Der Garten hatte die gleiche Ausstrahlung, wie ein alter, verlassener Friedhof.

Sicherlich waren die Besitzer des Gartens zu alt geworden, um sich um den Garten zu kümmern. Vielleicht waren sie sogar gestorben. Ich setzte mich, wie früher, auf die alte, vermooste Bank. In dem Moment überfiel mich eine große Melancholie. Der verwilderte, einsame Garten erinnert daran, wie vergänglich unser Leben ist. Nichts bleibt für immer so, wie es einmal war.

Die Bank ist mittlerweile alt und vermoost, drum herum wuchert so langsam alles zu.
Aus einem alten Komposthaufen heraus wächst eine Pflanze und streckt sich der Sonne entgegen.
Wo früher große Blumenrabatte wuchsen, sieht man nur noch vereinzelt Blüten zwischen den verwilderten Beeten.

Wir brauchen die Natur, aber sie braucht uns nicht. Wenn wir Menschen nicht eingreifen, entwickelt sie ihre ganze Stärke und Kreativität. Innerhalb weniger Monate holt sich die Natur ihr Terrain zurück.
Die Schubkarre, alt und rostig, steht verlassen unter einem Busch.

Kannst du dir vorstellen, wie romantisch und wunderschön dieser Garten einmal war?
Die Sklulpturen, Windspiele und Steinarrangements sind immer noch da. Auf kleinen Lichtungen, versteckt hinter Büschen oder am Ende eines Weges.

In letzter Zeit besuche ich den verwunschenen Garten wieder öfters. Hier, an diesem verwilderten, romantischen Ort, kann ich in Ruhe nachdenken. Über Gott und die Welt und über mein Leben. Es stehen bei mir einige Lebensentscheidungen an, mit denen ich mir ziemlich schwer tue.

Ich überlege, mein Haus zu verkaufen oder zu vermieten. Meine Tochter ist erwachsen und lebt jetzt in Berlin, der Hund ist auch nicht mehr da. Für mich allein ist das Haus zu groß geworden. Ich hänge sehr an meinem Zuhause, das ich für mich und meine kleine Familie geschaffen hatte. Besonders die wundervolle Natur um mich herum würde ich sehr vermissen. Aber irgendwann kommt die Zeit, wo man loslassen muss. Menschen, Tiere und Besitztümer.  Aber auch Häuser und Orte.

Denn nur so kann das „Abenteuer Leben“ weitergehen. Mit Mitte 50 ist man noch jung genug für Veränderungen. Schließlich gibt es noch so viel Neues und Schönes zu erleben. Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Und ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass es einen wundervollen Menschen an meiner Seite gibt, mit dem ich diesen Weg gemeinsam gehen kann.

So werde ich irgendwann in ferner Zukunft, wenn ich schon lange weiter gezogen bin, zu dem verwunschenen Garten zurückkehren. Und vielleicht erwartet mich dann ein blühendes Paradies, so wie es früher einmal gewesen ist.

Ich habe ein einziges, altes Foto gefunden, das den Garten zeigt, als er noch gepflegt und bewirtschaftet war.

Jetzt bin ich gespannt auf die Lieblingsorte der anderen ü30-Blogger and friends. Kommst du mit gucken? Hier gehts zu den Beiträgen.

Schön, dass du mich auf meinem Blog besucht hast. Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag und grüße dich
-lich

Birgit

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17 comments

  1. Liebe Birgit, was für ein schöner Post. Bittersüß geschrieben, melancholisch und doch voll Leben. Okay, ich heule ein wenig, Du schreibst mit Deinem schönen verwunschenen Garten mitten ins Herz und ich bin froh dass Göga draußen ist im Garten, der würde wohl jetzt komisch schauen 🙂
    Liebe Grüße Tina

    1. Oje, liebe Tina, ich wollte dich nicht traurig machen. Ich freue mich, dass dir mein Beitrag zur Blogparade gefällt und grüße dich herzlich,
      Birgit

  2. Das sind aber schöne Eindrücke! Deine Fotos zeigen, dass man gar nicht unbedingt weit weg fahren muss, um die Schönheit der Natur zu sehen.
    So einen Ort der Ruhe und Entspannung braucht jeder für sich, richtig idyllisch und geheimnisvoll!
    Für Veränderungen ist es nie zu spät! Ich wünsche dir viel Erfolg für den neuen Lebensabschnitt.
    Vielen lieben Dank für den tollen Beitrag!
    Liebe Grüße,
    Claudia

  3. Liebe Birgit, mir geht’s grad wie Tina, und nein, das ist keine Traurigkeit, sondern dein Post ist so schön geschrieben, er trifft mich irgendwie mitten ins Herz und rührt mich total! Also keine Sorge, im Gegenteil, Du hast da scheinbar ein echtes Talent für so schöne, nachdenkliche Texte, das ist etwas Wertvolles! Ganz wunderbar! Dein verwunschener Garten, was aus ihm geworden ist, die Geschichte mit Chipsi und der Vergänglichkeit… genau so ist es doch! Vielleicht rührt es mich so an, weil es so ehrlich und wahr ist und weil wir doch alle früher oder später an solche Stationen im Leben kommen. Dann noch diese wirklich tollen Fotos… Danke für diesen Post. Echt.
    Liebe Grüße und einen wundervollen Sonntagnachmittag bei Wahnsinnstemperaturen…
    Maren

    1. Liebe Maren, jetzt bin ich ganz gerührt von deinen lieben Worten. Ich hatte etwas Zweifel, ob so etwas Persönliches auf den Blog gehört. Aber warum auch nicht? Wenn man Fotos mit schönen Kleider angucken möchte, kann man sich auch einen Katalog anschauen. Das Tolle am Bloggen ist ja, dass man auch Geschichten erzählen (und natürlich bei anderen) lesen kann. Und meistens sitzen wir alle ja irgendwo im gleichen Boot.
      Herzliche Grüße
      Birgit

  4. Hallo Birgit, wie schön, wenn ein Ort so nah liegt, der für einen unter Liebling fällt. Der verwunschene Garten gefällt mir sehr. Da hat man sicher auch danach immer Ruhe und Energie aufgetankt.
    Danke für mitnehmen. Ela

    1. Liebe Ela,
      ja, manchmal muss man gar nicht in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah (hat Goethe gesagt, glaube ich…).
      Herzliche Grüße
      birgit

  5. 🙂 Liebe Birgit,
    bei Deinen Fotos und Deiner Geschichte werde ich irgendwie melancholisch. Ja, alles ist vergänglich, manchmal schneller als wir denken.
    Ich verstehe Deine Gedanken – mit Mitte 50, so man gesund und fit ist, kann man noch einmal „neu“ anfangen. Ich wünsche Dir, dass Du die richtigen Entscheidungen treffen wirst. Aber wie heisst es so schön? „Gut Ding braucht gut Weile!“.
    Liebe Grüße
    Claudia 🙂

    1. Liebe Claudia,
      du hast vollkommen Recht. Manche Entscheidungen brauchen einfach seine Zeit. Glücklicherweise bin ich gesund, fit und voller Tatendrang, so dass das Alter das geringste Problem ist. Es ist eher das „nicht so einfach Loslassen können“…
      Herzliche Grüße
      Birgit

  6. Was für eine schöne Geschichte! Und was für ein schöner Garten. Ich finde ihn selbst verwildert noch toll.
    Außerdem plage ich mich gerade mit ähnlichen Gedanken: Haus verkaufen und ab nach Hamburg? Aber dann habe ich keine Elbe und keine Strand mehr…
    Liebe Grüße
    Fran

    1. Liebe Fran,
      leider ist es meistens so, dass man das Alte aufgeben muss, um etwas Neues zu bekommen. Aber mit so wichtigen Lebensentscheidungen soll man sich halt auch Zeit lassen. Claudia bringt es treffend auf den Punkt: Gut Ding will Weile haben.
      Herzliche Grüße
      Birgit

  7. Ein wirklich toller Platz. Und wie Du siehst, an ihm sieht man die Vergänglichkeit. Aber auch den Lohn für viele Mühen.
    Ich weiß nicht, wie Du Dich entscheiden wirst, aber wenn Du Dir Dein Haus leisten kannst und gerne dort lebst, würde ich drin wohnen bleiben.
    BG Sunny

    1. Liebe Sunny,
      wenn’s so einfach wäre! Es geht hauptsächlich um die Entscheidung, ob ich zu meinem Partner ziehe. Dann brauche ich mein Haus nicht mehr…. 🤷🏻‍♀️
      LG, Birgit

  8. Liebe Birgit,
    deine Geschichte hat mich sehr beeindruckt und berührt. Insbesondere weil ich ebenfalls einen Hund habe und sich gerade mal wieder Veränderungen in meinem Leben ankündigen. Leider sind wir uns oft der Vergänglichkeit und das Leben eben immer auch Veränderung bedeutet, nicht bewusst und nehmen daher viele Dinge als selbstverständlich hin. Zu schätzen wissen wir sie dann oft erst recht nicht.
    Ich danke dir dafür das du mit deiner sehr persönlichen Geschichte diese Aktion bereichert hast und wünsche dir eine glückliche Hand für deine Entscheidungen.
    Alles Liebe Ursula

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