Social Media, Burnout und sonstige Katastrophen

Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass ich in den letzten Wochen kaum Beiträge veröffentlicht habe. Oder du hast dich gewundert, warum ich schon so lange nicht mehr auf deinem Blog vorbei geschaut habe.

Es gibt einige Gründe, warum ich mich in den letzten Wochen etwas aus der Social Media-Welt zurückgezogen habe. Erst war ich verreist, dann war ich beruflich und privat total im Stress und schließlich ist auch noch etwas sehr Trauriges passiert…

Und plötzlich stand ich an dem Punkt, an dem ich mich fragte: Fühlt sich so ein Burnout an?

Ich will euch erzählen, wie es dazu kam. Denn so etwas passiert natürlich nicht einfach so über Nacht. Und vermutlich auch nicht nur durch Überarbeitung oder Stress im Job. Problematisch wird es, wenn zu körperlicher Erschöpfung emotionaler Stress hinzu kommt. So war es jedenfalls bei mir.

Turbulent war mein Leben in den letzten zwei Jahrzehnten sowieso. Als alleinerziehende Mutter mit eigener Firma, Haus, Hund und Wochenendbeziehung war ich immer gut beschäftigt. Ich war zwar oft erschöpft, aber nach einem ruhigen Wochenende war der Akku wieder aufgeladen. Mit neuer Kraft und Energie ging es danach weiter. Diesmal war es anders…

In den letzten Monaten sind bei mir einige Dinge passiert, die mich ziemlich aus dem Gleichgewicht gebracht haben.

Angefangen hat es, als Mitte letzten Jahres bei meiner Mutter eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde. Unheilbar. Die Ärzte gaben ihr noch sechs Monate. Ohne jegliche Hoffnung dem Tod entgegen zu gehen, ist eine sehr schwere Aufgabe. Auch für mich war diese Zeit sehr hart. Ich versuchte, Krankenhausbesuche, häusliche Pflege, private und geschäftliche Verpflichtungen, Kundentermine und organisatorische Dinge unter einen Hut zu bekommen. Als meine Mutter letztes Jahr an Heilig Abend starb, war ich emotional und körperlich erschöpft. Und vielleicht sogar ein bisschen traumatisiert. Aber das Leben ging weiter…

Meine Arbeit und die Familie sorgten dafür, dass bald wieder der Alltag einkehrte. Zum Trauern blieb gar keine Zeit. Mein über Monate vernachlässigter Haushalt und der Garten mußten wieder in Schuss gebracht werden. Auch im Geschäft blieb einiges liegen, vieles musste nachgearbeitet werden. Einige Reisen, die mein Partner und ich im letzten Jahr wegen Mutters Krankheit abgesagt hatten, haben wir nachgeholt. Ich hatte also gut zu tun und war sehr viel unterwegs.

Besonders in beruflicher Hinsicht waren die letzten Wochen ziemlich anstrengend. Ich habe prinzipiell kein Problem mit 10-Stunden-Arbeitstagen, wenn gute Ergebnisse dabei heraus kommen. Manchmal ist es aber leider so, dass man viel Zeit, Herzblut und Energie investiert, und der Erfolg dennoch ausbleibt. Das ist negativer Stress -sog. Distress– und sehr belastend. Nun ja, als Selbständige muss man das wegstecken können? Nein, nicht wirklich. Es wäre besser gewesen, ich hätte langsamer gemacht, anstatt zu versuchen, den Erfolg durch noch mehr Einsatz zu erzwingen.

Dann gab es noch ein wichtiges Ereignis in meinem Leben. Meine Tochter Krissi ist zuhause ausgezogen. Seit Anfang Oktober studiert sie in Berlin. Obwohl ich mich sehr darüber freue, dass meine Tochter nun flügge ist, ging die Sache nicht ganz spurlos an mir vorbei. Ein Lebensabschnitt war damit unwiederbringlich zu Ende gegangen. Wie wird es werden, ohne sie? Wird sie alleine zurecht kommen? Meine Tochter und ich hängen sehr aneinander, auch wenn unser Verhältnis in der letzten Zeit nicht ganz ohne Spannungen war.

Davon einmal ganz abgesehen, war Krissis Umzug nach Berlin auch für mich mit viel Arbeit verbunden. Ihre möbliert angemietete Wohnung musste hergerichtet werden. Inklusive Putzen, Kartons ein- und auspacken, persönliche Dinge des Vermieters auf den Dachboden bringen (5 Stockwerke ohne Fahrstuhl!), einige Möbel hinzukaufen und aufbauen etc… Alleine hätte sie das unmöglich hinbekommen.

Und dann schlägt das Schicksal zu…

Zwei Tage vor Krissis Umzug nach Berlin starb völlig unerwartet unser Hund Chipsi. Wenn du öfters mal auf meinem Blog vorbei geschaut hast, dann erinnerst du dich vielleicht an das eine oder andere Fotos von ihr. Chipsis Tod hat mich mitten ins Herz getroffen. Wenn du schon einmal ein geliebtes Haustier verloren hast, dann weißt du, wovon ich spreche. Dass Chipsi so plötzlich gestorben ist, hat mich total umgehauen. Meine Tochter nannte es, mit ihrer Vorliebe für Anglizismen, einen „Mental Breakdown“. Wahrscheinlich hatte sie damit nicht ganz unrecht…

Mein kleiner Engel, Weggefährtin, Seelentrösterin… Chipsi wurde 12 Jahre alt.

Auf einmal war das Haus leer: Das Kind weit weg in Berlin, der Hund tot. Meine kleine Familie hatte sich aufgelöst. Beim Nachhausekommen kein fröhliches „hallo Mama“ und keine kleine Hundeschnautze, die durch die Glasscheibe spitzt und aufs Gassigehen wartet. Und dann kam plötzlich die verdrängte Trauer um meine Mutter wieder hoch. Es ging mir einige Tage lang sehr schlecht. Ich konnte kaum schlafen, hatte keinen Appetit und wollte am liebsten den ganzen Tag im Bett bleiben.

War das nun ein Burnout oder nicht?

Als ich mich wieder etwas gefangen hatte,  wurde mir klar, dass ich dafür sorgen musste, emotional wieder auf die Beine zu kommen. Früher dachte ich, ein Burnout ließe sich durch Ruhe und Erholung beheben. Aber so einfach ist das nicht. Ich glaube, wenn man einmal einen bestimmten Punkt überschritten hat, helfen Auszeiten und Relaxen nicht mehr.

Ich habe mich meiner Hausärztin anvertraut. Sie hat mich mit homöopathischen Mitteln aufgepäppelt und eine Blutuntersuchung veranlasst. Außerdem wurde der Sauerstoffgehalt im Blut gemessen. Dadurch kann ein Burnout auf körperlicher Ebene nachgewiesen werden. Menschen mit Burnout haben in der Regel wenig Sauerstoff im Blut.

Glücklicherweise war das bei mir nicht der Fall. Aber die Blutuntersuchung ergab einen starken Mangel an B-Vitaminen. Außerdem waren meine Vitamin D-Speicher so gut wie leer. Kein Wunder, dass ich wenig stressbeständig und psychisch anfällig war. Wobei es nicht ganz klar ist, ob der Vitaminmangel der Auslöser oder eher die Folge meines Zustands war. Nun bekomme ich über einige Wochen hinweg Spritzen mit hochdosiertem Vitamin-B-Komplex und nehme Vitamin-D-Tabletten ein.

Es geht mir wieder gut.

Ich habe mich daran gewöhnt, dass meine Tochter nicht mehr zuhause wohnt, und kann dieser Tatsache einiges Positives abgewinnen. Es ist wunderbar, abends nicht mehr kochen zu müssen und den Feierabend statt in der Waschküche auf dem Sofa zu verbringen. Ich genieße es, keine WhatsApp-Nachrichten a la „könntest du mir bitte….“ oder „was gibt’s heute zu essen?…“ zu bekommen.

Außerdem freue ich mich, dass sich meine Tochter in Berlin gut eingelebt hat. Das Studium macht ihr Spaß, sie hat bereits nette Kontakte geknüpft und fühlt sich in ihrer kleinen, gemütlichen Wohnung in Schöneberg sehr wohl.

Am Tod meines Hundes habe ich immer noch zu knabbern. Ich vermisse die morgentlichen Gassigänge durch Wald und Wiese, den kleinen Spaziergang abends vor dem Schlafengehen, einfach alles. Chipsi war 12 Jahre bei uns, da gewöhnt man sich aneinander…

Viel Zeit zum Bloggen oder Blogs lesen habe ich trotzdem immer noch nicht. Anfang November war ich nochmal bei Krissi in Berlin. Es gab hier noch einiges zu erledigen. Nächstes Wochenende steht das Streichen meines Flurs und des Treppenhauses auf dem Plan. Glücklicherweise habe ich tatkräftige Unterstützung durch meinen Partner und seine Kids. Und übernächstes Wochenende sind wir schon wieder unterwegs…

Hast Du gewusst, dass auch Urlaub ungemein stressen kann? Dieses Jahr hatten wir einfach zu viel auf dem Programm. Eigentlich wollten wir im November auch noch nach Thailand, aber diese Reise musste ich wegen meines schlechten Gesundheitszustands absagen. Statt dessen geht es nun für ein paar Tage nach Irland. Wegen der Ruhe und der schönen Natur. Nächstes Jahr möchte ich es in Punkto Reisen langsamer angehen lassen. Burnout durch zu viel Urlaub, wo gibt’s denn so was? 🙂

Um zur Ruhe zu kommen, habe ich u. a. meinen Social Media Konsum drastisch reduziert. Ich habe statt dessen viel gelesen (Bücher!) und lange geschlafen. Außerdem habe ich einige Schränke und den Keller ausgemistet. Ausmisten ist eine sehr gute Methode, um mit sich (und seiner Umgebung) ins Reine zu kommen. Ich würde fast so weit gehen, zu behaupten, Ausmisten hat eine therapeutische, heilende Wirkung.

Wenn Du das Gefühl hast, auf einen Burnout zuzusteuern, dann hole dir unbedingt professionelle Hilfe. Geh zum Arzt! Mit Hilfe eines Fragenkatalogs kannst Du testen, ob du Burnout gefährdet bist. Weitere Infos zum Thema findest du hier.

Last but not least:

Anfangs hatte ich Bedenken, ob dieser Artikel nicht zu persönlich sei, und zu viel Privates preisgeben würde. Auf Fashion- und Lifestyle-Blogs führt man ja gerne die „heile“ Welt vor. Man strahlt gestylt in die Kamera, im Hintergrund das nette Häuschen, das schicke Auto oder der Eifelturm. Aber das ist nicht das wirkliche Leben. Lass dich nicht von schönen Instagram- oder Blogfotos täuschen (auch nicht von meinen). Mein Leben ist wie jedes andere. Weit davon entfernt, perfekt zu sein. Mit Höhen und Tiefen. Auf der anderen Seite gibt so vieles, wofür ich dankbar bin: Für meine harmonische, liebevolle Partnerschaft, meine wundervolle Tochter, meine Freunde, für mein schönes Zuhause, meine eigene Firma, die mir ermöglicht, selbst bestimmt zu arbeiten, und, und, und…

Ich hoffe, dass ich dich mit diesem ellenlangen Beitrag nicht zu sehr gelangweilt habe. Großes Kompliment, dass du bis zum Schluss durchgehalten hast 🙂

Ich freue mich schon darauf, demnächst wieder Zeit dafür zu haben, auf meinen Lieblingsblogs vorbei zu schauen und zu sehen, was es so Neues bei euch gibt…

Bis dahin ganz liebe Grüße

Birgit

10 comments

  1. Liebe Birgit, Di hattest mir ja schon mal geschrieben, dass Du gerade durch eine stressige und belastete Zeit gehst, und ich dachte mir schon, dass dies der Grund für Deine selten gewordenen Posts und Besuche sind. Umso mehr freue ich mich ehrlich über Deine Offenheit und Ehrlichkeit, denn ich kann zwar Deine Bedenken deshalb verstehen, finde es aber einfach großartig und wichtig, dass Du der „glitzernden Bloggerwelt“ etwas entgegensetzt, das man Dir einfach abnimmt und was auch tröstet, irgendwie. Und Mut macht. Denn wie Du schon ganz richtig sagst: ein normales, echtes Leben hat Höhen und Tiefen. Ich kann das nur sowas von unterschreiben. Mein nächster Post behandelt genau das, die Höhen und Tiefen, die ich auch in letzter Zeit hatte. Dafür muss man sich nicht schämen, auch nicht dafür, dass einen z.B. Urlaub stresst… ich versteh aber, was Du meinst, ich denke manchmal auch: naja, gemessen an xy jammere ich auf hohem Niveau. Aber Trauer oder Stress oder Belastung kann man weder „vergleichen“ noch „messen“ noch ist sie in irgendeiner Weise „schlimmer als…“ oder „weniger schlimm als…“.
    Ich denke, wenn das Fass voll ist, ist es voll. Dann geht nix mehr rein, sozusagen, und es spielt überhaupt keine Rolle, was die Ursachen und/oder Auslöser waren. Ob man den Erschöpfungszustand Burnout oder Mental breakdown oder einfach Zusammenbruch nennt, spielt vielleicht gar keine so große Rolle… denn wie Du sagst, so einfach ist es nicht. Und wenn der zustand erreicht ist, dass normale Auszeiten und Ruhephasen nicht mehr helfen, dann sollte man sich, wie Du es gemacht hast, einem Arzt oder Therapeuten oder anderem Helfer anvertrauen… (sagt die Richtige, die nie zu Ärzten geht…:-))
    Ich wünsche Dir jedenfalls alles Gute weiterhin, freu mich natürlich, Dich wieder öfter zu lesen, aber viel wichtiger ist dass Du erst mal für Dich zur Ruhe kommst!
    Alles Gute, liebe Grüße Maren

  2. Liebe Birgit,
    ich habe mich tatsächlich gewundert, wo Du steckst. Manchmal ist es einfach besser, die Reißleine zu ziehen. Man kann nicht 1000 Dinge auf einmal erledigen. Da heißt es, Prioritäten setzen.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und gute Erholung.

    Liebe Grüße Sabine

  3. Nein. Dieser Artikel ist nicht zu persönlich oder privat. Und es hat mir gerade gut getan zu sehen, dass es anderen Menschen auch manchmal so geht wie mir.
    Und manchmal frage ich mich auch, was die Bloggerei und die Socials mir überhaupt bringen.
    Manchmal muss man einfach mal langsamer machen.
    Erhol dich gut und sortiere dich neu.

    LG
    Sabienes

  4. Liebe Birgit,
    ich wünsche Dir viel Kraft und hoffe, dass Du bald wieder ganz gesund wirst! Ich glaube, dass ist eine sehr schwere Zeit für Dich. Blog, Social Media – dass muss auch alles nicht sein, wie Du an mir siehst. Ich schlage jetzt einen neuen Weg ein, lass Dich überraschen, bald gibt’s mehr Infos auf Instagram. Halt die Ohren steif und alles Gute! Liebe Grüsse, Steffi

  5. Hallo, das Schlimmste ist ja glücklicherweise überstanden. Es geht mir wieder gut, aber ich werde versuchen, in Zukunft etwas langsamer zu machen.
    Ich bin sehr gespannt, was es demnächst Neues bei dir gibt.
    Liebe Grüße
    Birgit

  6. Hallo, lieben Dank für deine netten Worte. Ich frage mich auch manchmal, was wir da im www überhaupt tun. Aber irgendwie macht es ja auch Spaß, oder?
    So lang es nicht überhand nimmt.
    Herzliche Grüße, Birgit

  7. Vielen lieben Dank, Sabine. Es geht mir wieder gut, und so langsam bekomme ich auch wieder Lust aufs Bloggen.
    Dann bis bald und ganz liebe Grüße, Birgit

  8. Liebe Maren,
    herzlichen Dank für deine einfühlsamen Worte. Ich war selber überrascht, dass mich der Tod meines Hundes dermaßen erwischt hat. Ich denke, das war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Glücklicherweise geht es mir wieder soweit gut. Also kein Burnout, sondern nur eine akute Situation, die sich nun etwas gelichtet hat. Ich freue mich schon auf deinen Beitrag zu den „Höhen“ und „Tiefen“ in deinem Leben.
    Herzliche Grüße und bis bald
    Birgit

  9. 🙂 Liebe Birgit,
    ich finde es toll, dass Du Deine Gefühle und Deine Situation hier so klar geschildert hast. Das Leben besteht nicht nur aus Regenbogen, Einhörnern und hübschen Cupcakes!
    Das kann ich alles nachempfinden – habe es in ähnlicher Weise selbst erlebt. Ich habe mich in die Lektüre gestürzt – bewusste Ablenkung von der Realität. Das war herrlich und hat mir wirklich gut getan.
    Nicht trauern zu können, weil man das Rad weiter drehen muss, ist schlimm. Das holt einen irgendwann ein. Zumindest war es bei mir so. Das wird mir aber kein 2. Mal passieren. Egal, wie groß mein Pflichtbewusstsein ist!
    Ich drücke Dir die Daumen, dass es Dir ganz bald wieder besser geht. Nimm Dir die Zeit, die Du dafür brauchst.
    Ganz liebe Grüße
    Claudia 🙂

  10. Danke, liebe Claudia, für deine netten Worte. Du hast Recht. Manchmal sollte man auf das Pflichtbewusstsein pfeifen, und statt dessen mehr nach sich selbst gucken.
    Herzliche Grüße
    Birgit

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